Wie sich Gründungsmitglieder erinnern, begannen die Geburtswehen schon im Jahre 1958, als eine 19-jährige Service-Angestellte aus dem Speicher im Appenzellerland die Jodlerherzen einiger Melchnauer eroberte. In ihrer Freizeit stieg sie hie und da auf den nahen Schlossberg und sang frisch fröhlich zu ihrem persönlichen Seelenfrieden ihre aus der Heimat stammenden Jodellieder. Auf hoher First arbeitend, entgingen dem damaligen Dachdeckermeister Paul Wyss die holden Töne nicht und er sah die Zeit gekommen, dass ein länger gehegter Wunsch in Erfüllung gehen könnte. Und währenddessen in London die ersten Beatles-Auftritte für Furore sorgten, gründeten zwölf Sänger am 4. Januar 1959 im Linde-Sääli den Jodlerklub. Sie fanden im Dorfschuloberlehrer Otto Schrör ihren ersten Dirigenten, in der kleinen, aber äusserst wirbligen Appenzellerin die erste Jodlerin und in Dachdeckermeister Paul Wyss den ersten Präsidenten. Als Probelokal diente ein Schulzimmer und anschliessend an den wöchentlichen Einsatz durfte eine unterhaltsame Trunkrunde, eingeschlossen ein gemütlicher Jass mit dem Dirigenten nie fehlen.

Die rührigen Sänger, die zum Teil zusätzlich in einem der beiden Männerchöre oder im Kirchenchor ihrem fröhlichen Hobby frönten, traten im Jahre 1960 dem eidgenössischen Jodlerverband bei und organisierten bereits auch schon ihren ersten Vereinsabend mit Konzert und Theater. Dabei ereignete sich ein seither immer wieder gern erzähltes und viel belachtes Missgeschick, dies nicht etwa auf der Bühne, sondern in der Garderobe. Um die Laien-Schauspieler anschliessend an ihren Einsatz wieder von ihrer Schminke zu befreien, wurde in einer Mineralwasserflasche Kölnischwasser zur Reinigung bereit gehalten. Dessen war sich jedoch der Dirigent nicht bewusst, als er in der Konzertpause aus besagter Flasche mit einem tüchtigen Schluck seinen grossen Durst löschen wollte. Er soll Zeit seines Lebens nie mehr so gut gerochen haben wie am selbigen Abend!

Die erste Vereinsrechnung schloss übrigens mit einem Einnahme - Überschuss von Fr. 110.35 ab, wobei die erste Dirigenten-Entschädigung gerade mal Fr. 175.- ausmachte und mit Fr. 50.- die erste Spende, welche von Ernst Eichenberger, Gasthof Löwen stammte, verbucht werden durfte.

 

Aktiver Verein

Der Einsatz der meist über zwanzig Aktivmitglieder beschränkte sich in all den Jahren nicht nur auf die wöchentlichen Übungen, sondern es wurden stets auch externe Anliegen und Anfragen berücksichtigt. So übernahm man zum Beispiel die musikalische Umrahmung eines sonntäglichen Gottesdienstes, gab ein Ständchen bei hohen Geburtstagen und regelmässig auch in den zwei ortsansässigen Altersheimen. Und wenn es galt, bei Dorffesten eine gemütliche Raclette- oder Weinstube zu führen, so waren die Jodler zur Stelle. Der Verein entpuppte sich als verlässlicher Partner bei jeglichen Anliegen von öffentlichem Interesse und dessen Gesang wurde und wird weit herum geschätzt. Natürlich stand man 1978 bei der Gründung der oberaargauischen Jodlervereinigung nicht abseits, galt es doch, sich jährlich einmal im Verbandsgebiet zum gemeinsamen Jodelgesang zu treffen. Wenn es sich terminlich und vor allem personell verantworten liess, war die Teilnahme an kantonalen und eidgenössischen Jodlerfesten nie ein grosser Diskussionspunkt. – Damit der Verein nicht nur gesanglich in der Öffentlichkeit ein gutes Bild abgibt, sondern auch fürs Auge gut präsentiert, hat man sich nach 1985 auch diesmal wieder entschieden, sich für das diesjährige Jubiläum neu herauszuputzen. Eine örtliche Haussammlung der aktiven Vereins-Mitglieder wird den entsprechen Obulus für einen neuen schmucken Mutz erbringen. – Die in den letzten paar Jahren neu zum Klub gestossenen Aktivmitglieder und die junge Dirigentin versprechen, zusammen mit dem bestehenden gesunden Kern ein prosperierendes Weiterkommen des zum Dorfleben gehörenden Vereins.

„Wie schön isch’s doch ir Tracht dörfe zäme stoh,
singe, jutze u die Tön so rächt lo goh.
Mit üsne useputzte Jodlerfroue
dörfe mir dä Klub doch de gwüss lo gschoue.“
Werner Ryser, ältestes Aktivmitglied